Verständnisproblem: 1 ml Liquid ist NICHT mit einer Zigarette zu vergleichen

Kurz und knapp: Es kommt auf die Nikotinkonzentration, Nikotinresorption und vor allem die persönlichen Gegebenheiten an!

Beispiele anhand eines 10ml Liquidfläschchen mit 16mg Nikotin pro ml:
Nikotinkonzentration – Ein 10ml „16er“ Liquidfläschchen entspricht ca. 16 Tabakzigaretten.
Nikotinresorption – Ein 10 ml „16er“ Fläschchen entspricht ca. 30 Tabakzigaretten.
Persönliche Gegebenheiten – Ein 10ml „18er“ Fläschchen entspricht knapp zwei Schachteln Tabakzigaretten.

Beispiele anhand eines 10ml Liquidfläschchen mit 9mg Nikotin pro ml:
Nikotinkonzentration – Ein 10ml „9er“ Liquidfläschchen entspricht ca. 7 Tabakzigaretten.
Nikotinresorption – Ein 10 ml „9er“ Fläschchen entspricht ca. 14 Tabakzigaretten.
Persönliche Gegebenheiten – Ein 10 ml „9er“ Fläschchen entspricht knapp zwei Schachteln Tabakzigaretten.

Beispiele anhand eines 10ml Liquidfläschchen mit 6mg Nikotin pro ml:
Nikotinkonzentration – Ein 10ml „6er“ Liquidfläschchen entspricht ca. 5 Tabakzigaretten.
Nikotinresorption – Ein 10 ml „6er“ Fläschchen entspricht ca. 9 Tabakzigaretten.
Persönliche Gegebenheiten – Ein 10 ml „6er“ Fläschchen entspricht knapp zwei Schachteln Tabakzigaretten.

Wer sich jetzt fragt, ob das „zwei Schachteln Tabakzigaretten“ in allen Beispielen ein Tippfehler ist: Nein, ist es nicht! Nikotinkonzentration und Nikotinresorption sind zwar wunderbar geeignet um für wissenschaftliche Papiere Berechnungen anzustellen… Jedoch gehen diese völlig am Wesentlichen vorbei: Dem Verhalten des Konsumenten in der Realität!

Konzentration

… ist eine Gehaltsangabe, die auf das Volumen eines Gemisches bezogen ist. Die Konzentration gibt also an, wie viel von einem Stoff in einem Volumen vorhanden ist (z.B. Zuckerstücke im Kaffee).

Im Fall von E-Liquid oder der Tabakzigarette wird die Konzentration wie folgt angegeben:

  • E-Liquid: 16 mg/ml → 16 mg Nikotin pro 1 ml Flüssigkeit.
  • Zigarette: 14 mg/g → 14 mg Nikotin pro 1 g Tabak.
  • Zigarettenrauch: 1mg/280 ml → 1 mg Nikotin im Rauch einer Tabakzigarette.

Tatsächlich wissen viele nicht, dass die auf Zigarettenschachteln angegebene Nikotinkonzentration sich auf den „Rauch einer Zigarette“ bezieht – gemessen mit einer immer gleichmäßig ziehenden „Rauchmaschine“ nach DIN ISO 3308:2000-12.1 Der Tabak einer Tabakzigarette enthält jedoch zwischen 12 und 14 mg Nikotin.2

Eine Schachtel mit 20 Zigaretten enthält also ca. „20 x 14mg“ = 280mg Nikotin.

In einem 10ml Liquidfläschchen „16er“ sind in „10 x 16mg“ = 160mg Nikotin. Somit enthält dieses Liquidfläschchen weniger Nikotin als eine Zigarettenschachtel.
Wenn man jetzt alleine von der Konzentration ausgeht, entspricht ein 10ml „16er“ Liquidfläschchen ca. 16 Tabakzigaretten.

Resorption

 ist die Stoffaufnahme in biologischen Systemen, wie z.B. das „einziehen einer Creme in die Haut“. Wie bei der Nikotinkonzentration bereits erklärt, enthält eine Tabakzigarette bis zu 14 mg Nikotin. Davon verbrennen ca. 10 mg beim Rauchvorgang, so dass letztendlich beim Rauchen einer Tabakzigarette zwischen 2 und 4mg34 Nikotin vom Raucher aufgenommen (resorbiert) werden – Menschen haben, anders als eine „Rauchmaschine“, nun einmal die Angewohnheit, Inhalationstiefe und Zugdauer zu variieren und kommen so zu anderen Resorptionsraten als „Rauchroboter“.

Das Nikotin aus einer Tabakzigarette ist, weil es mit diversen zusätzlichen Stoffen inhaliert wird, schneller im Blutkreislauf verfügbar als das Nikotin aus einer E-Zigarette oder einem Nikotinpflaster. Bei einer E-Zigarette ist die Resorption derart,  dass bei einem E-Zigarettenkonsumenten (Dampfer), der ein „16er“ Liquid dampft, nur einen Teil des Nikotins einer Tabakzigarette im Blut nachweisbar ist: Bei einem „16er“ Liquid werden innerhalb von 5 Minuten nur knapp ein Drittel des Nikotins einer Tabakzigarette vom Körper resorbiert.5 Wenn man jetzt alleine von der Nikotinresorption ausgeht, entspricht ein 10 ml Fläschchen „16er“ ca. 30 Zigarettenlängen.

Persönliche Gegebenheiten

1 ml ist in den meisten Fällen ca. 1/3 bis 1/4 des Tagesverbrauchs eines Dampfers.6

Oder auch: Ein Großteil der Dampfer verbrauchen am Tag zwischen 3 und 4 ml E-Liquid.
Wenn man jetzt bei einem Zigarettenraucher von einem Tabakverbrauch von 20 Zigaretten und bei einem Dampfer von 4 ml E-Liquid am Tag ausgeht, dann sind (gem. dieser SEHR groben Überschlagsrechnung) ein 10ml Fläschchen mit knapp zwei Schachteln Zigaretten zu vergleichen. Dabei ist es völlig egal ob man ein „9er“, „12er“, „16er“ oder „18er“ Liquid benutzt: Wenn man „vorher“ eine Schachtel Zigaretten verbraucht hat und jetzt 4 ml E-Liquid, dann ist ein 10 ml Fläschchen ungefähr mit zwei Schachteln Zigaretten gleichzusetzen.

Märchen und Wahrheit

Es geht immer noch das Märchen um, dass ein 10 ml Fläschchen E-Liquid mit einer Stange Zigaretten oder (auf der anderen Seite der Skala) 1 ml E-Liquid mit einer Tabakzigarette zu vergleichen ist. Aus erstgenannten Grund wollen einige Händler „Kasse machen“ und aus letztgenannten Grund wollte z.B. die die EU-Kommission im Dezember 2012 den Nikotingehalt der E-Liquids auf 1 bis 2 mg pro ml begrenzen und diesen so an die Tabakzigarette angleichen bzw. orientieren sich dabei am Nikotingehalt von Nikotinkaugummi.7

Das ist jedoch NICHT so!

Wie schon geschrieben: 1 ml E-Liquid ist in den meisten Fällen ca. 1/3 bis 1/4 des Tagesverbrauchs eines Dampfers.

2 mg Nikotin pro 0,1 ml E-Liquid (oder auch „20 mg pro 1 ml“ oder „2,0 %“)… Mit so einem E-Liquid würde ein Dampfer rein rechnerisch ungefähr die Menge Nikotin konsumieren, die auch ein Raucher aus einer Tabakzigarette zieht. Jedoch bezieht sich das auf die rechnerische Konzentration und nicht auf die Aufnahme und damit nicht auf die Nikotinmenge die letztendlich im Blut landet. Konstantinos Farsalinos zufolge, landen bei einem 20mg/ml Liquid nur knapp 1/3 der Nikotinmenge einer Tabakzigarette im Blut eines Dampfers.8

Wenn die EU-Kommission sich durchgesetzt und das EU-Parlament eine Reduzierung des E-Liquids auf 1 bis 2 mg Nikotin pro ml E-Liquid verabschiedet hätte… Hätte das ernste Auswirkungen gehabt:

  • Unterschiedliche Nikotinstärken kompensieren Dampfer durch eine (vermutlich weitgehend unbewusste) Auswahl der Hardware-Liquid Kombination und gelangen so zu einem ähnliche Nikotinspiegel wie früher beim Rauchen. Vergleichbar mit einem Tabakraucher, der mal mehr – mal weniger tief inhaliert, um einen bestimmten Nikotinlevel zu erreichen.9
  • Also müssten Dampfer durch die Nikotinbegrenzung auf 1 bis 2 mg das selbe machen, wie seinerzeit die Raucher bei der Begrenzung der Nikotinkonzentration im Rauch einer Tabakzigarette auf max. 1 mg Nikotin10 : Sie konsumieren mehr! Wenn man bei einem Raucher von einer normalen Nikotintagesdosis von ca. 60mg ausgeht (20 Zigaretten x 3mg Nikotin), dann müsste ein Raucher bei einem „2er“ Liquid gut 30ml am Tag verdampfen und inhalieren (das ist nahezu Unmöglich zu realisieren!).
  • Ein Tabakzigarettenraucher hätte mit solch einer niedrigen Konzentration Wahrscheinlich nie den Umstieg geschafft und wäre innerhalb von kurzer Zeit wieder zur Tabakzigarette zurückgekehrt.

Merke: Ein Dampfer nimmt normalerweise 3 bis 4 ml E-Liquid am Tag zu sich. Wenn dieser eine zu niedrige Nikotinkonzentration wie z.B. 4 mg/ml wählt, passiert nur eins: Er dampft automatisch mehr!

Fazit

Wie bereits erwähnt: Unterschiedliche Nikotinstärken kompensieren Dampfer durch eine (vermutlich weitgehend unbewußte) Auswahl der Hardware-Liquid Kombination und gelangen so zu einem ähnliche Nikotinspiegel wie früher beim Rauchen. Vergleichbar mit einem Tabakraucher, der mal mehr – mal weniger tief inhaliert, um einen bestimmten Nikotinlevel zu erreichen.

Einfach ausgedrückt: Holt sich das Gehirn das an Nikotin, was es benötigt. Das geschieht völlig unbewusst und automatisch.
Ergo: Als Konsument sollte man einfach das was man vorher am Tag an Tabakzigaretten verbraucht hat, mit dem vergleichen was man heute an ml pro Tag an Liquid verbraucht. Wenn man also „früher“ eine Schachtel Zigaretten am Tag geraucht hat und „heute“ knapp 5 ml E-Liquid  am Tag verbraucht, dann ist halt eine halbe Flasche E-Liquid mit einer Schachtel zu vergleichen.

Hinweis: Zu Anfang sollte ein umstiegswilliger Raucher ein eher höher dosiertes E-Liquid wie z.B. ein „18er“ (18mg /ml, manchmal steht auf dem Fläschchen auch „1,8% Nikotin“) nehmen.
Wenn das als „zu stark“ erscheint, dann kann man das „18er“ E-Liquid mit einem „0er“ (oder auch Glycerin) im Verhältnis 50:50 mischen und erhält so ein „9er“ (Merksatz: Verdoppele das Volumen, dann halbiert sich die Konzentration).

Warnung: Wenn ein starker Raucher (ab 20 Zigaretten am Tag) am Anfang ein niedrig dosiertes E-Liquid wie z.B. ein „9er“ oder ein „6er“ nimmt, dann führt das in der Regel nur zu einem Ergebnis: Er geht vermutlich zurück zum Tabak.

Wenn ein Dampfer nach ein paar Wochen oder auch Monaten bemerkt, dass das bisher konsumierte E-Liquid „zu stark“ wird, dann sollte man entweder die E-Zigarette weniger benutzen oder die Nikotinstärke reduzieren.

Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass die Rezeptoren im Hirn, welche früher durch das Tabakrauchgemisch mit z.B. MAO-IAcetaldehyd, Nikotin und anderen Stoffen angeregt wurden „immer mehr zu fordern“, jetzt durch das „pure“ Nikotin „nur noch gesättigt“ werden und sich diese Rezeptoren wieder annähernd auf den Normalzustand regenerieren.

Einfach ausgedrückt: Das körperliche Verlangen nach Nikotin kann sich langsam „ausschleichen“.

Etwas, das ich auch bei mir beobachten konnte: Vor drei Jahren habe ich noch 3 Schachteln Zigaretten am Tag geraucht und damit ca. 80 bis 120 mg Nikotin täglich aufgenommen – Heute das Äquivalent von 1 bis 2 Zigaretten oder Zeitweise auch gar kein Nikotin!

PS: Will ein Dampfer seinen Liquidverbrauch reduzieren, sollte er z.B. von einem „6er“ auf ein „12er“ Liquid umsteigen. Dann erhält der Körper die benötigte Dosierung, mit weniger Zügen/weniger Liquid.

Achtung: Insbesondere am Anfang des Umstiegs wollen einige schnellstmöglich die Nikotinkonzentration senken. Während diese zuerst am Tag noch ca. 3 ml 16er E-Liquid verbraucht haben, sind sie schon wenige Wochen später bei einem „6er“ Liquid angekommen – verbrauchen von diesem 6er E-Liquid aber knapp 9 ml am Tag!
Damit verbrauchen sie die dreifache Menge an E-Liquid, nehmen jedoch die selbe Nikotinmenge wie vorher zu sich -> Ob nun „3 mal 16mg = 48“ oder „9 mal 6mg = 54“ ist dem Gehirn egal. Nachteil: Man nimmt mehr Propylenglykol, Glycerin und Aromastoffe zu sich.
Wie bereits mehrmals erwähnt: „Das Hirn holt sich das was es benötigt…“